Suizid in der Trauer, ein Thema das sehr leise ist.
Der kommende Jahreswechsel nach dem plötzlichen Tod meiner Schwester erlebte ich voller Verzweiflung. Ich fühlte mit jedem Tag eine grössere Distanz zu meiner Schwester und wollte die Zeit so gerne anhalten, nochmals zurückdrehen.
Ich sehnte mich nach einer sich langsam drehenden Welt, nach Stillstand.
Der unausweichliche Silvester fühlte sich an, als müsste ich weiterziehen und meine Schwester im abschliessenden Jahr zurücklassen.
In dieser einen Silvesternacht erlebte ich einen tiefen körperlichen und seelischen Schmerz, so dass für mich ein Suizid zur Option wurde. Mit diesem Gedanken stand ich auf meinem Balkon und als um Mitternacht die ersten Raketen knallten kam der Zusammenbruch. Ich weiss nicht, wie lange ich im unbeschreiblichen Gefühlschaos auf dem Balkon stand.
Ich erinnere mich, dass es eine eisige sternenklare Nacht war, irgendwann von irgendwo kam die Einsicht «Suizid ist keine Option, nicht jetzt und nicht später!»
Diese Selbsterfahrung macht mir bewusst, dass Suizid auch in der Trauerbegleitung ein Thema sein muss. Die Option Suizid nach einem erlebten Todesfall soll ausgesprochen werden, es darf keine Hemmungen geben. Die nötige Hilfe bei konkreter Gefährdung muss angeboten und begleitet werden.
Für die Gedanken eines Suizids soll sich kein Mensch schämen, diese Gedanken kommen ungefragt und sind ein Hilfeschrei der Verzweiflung.
Wenn du einen Menschen (in Trauer) mit Verdacht eines Suizidgedankens erlebst, dann sprich ihn auf deine Wahrnehmung an. Wenn dieser Schritt für dich zu gross ist, dann gibt es Unterstützung z.B. bei der Telefonnummer 147 für Jugendliche und 143 für Erwachsene. Das Angebot einer Begleitung zur Notfall Psychiatrie oder zu Familienangehörigen kann auch unterstützen.
Solche Begegnungen sind herausfordernd, auch du solltest dich danach einer Vertrauensperson mitteilen dürfen.
Eine Trauerbegleitung ist kein Ersatz für eine Psychotherapie, sie ist jedoch da um Brücken zu bauen und um Themen der Trauer anzusprechen, für die es sonst nur wenig Verständnis gibt.
31.12.2025